Am 24. Juni strahlte das Zapp-Magazin im NDR einen Beitrag aus, in dem sich Reporter und Politiker darüber beschwerten, dass sich evangelikale Christen gegen unberechtigte und unbegründete Vorwürfe der Verfassungsfeindlichkeit wehren. Frei nach dem Motto: Wehe dir, wenn du es wagst, mir als Reporter einen Fehler vorzuhalten ... (und doppelt wehe, wenn du noch ein 'gläubiger [sprich: fundamentalistischer] Christ' bist).
Hintergrund ist die Veröffentlichung eines kritischen Artikels über Evangelikale in dem Schülermagazins “Q-rage” mit dem Heft-Titel “Selam Deutschland” (4. Ausgabe im Schuljahr 2008/2009), das von “Schule ohne Rassismus” herausgegeben und von der Bundeszentrale für politische Bildung mitfinanziert wird. In diesem Beitrag wurden die evangelikalen Christen wegen ihrer Haltung zur Homosexualität und zur Abtreibung massiv angegriffen. Fast am Ende des Artikels findet sich dann, wie ein Resümee, der Satz: „Die ... zum Teil verfassungsfeindlichen Ideologien werden da fast nebenbei vermittelt.“ Begründet wird diese ungeheuerliche Anschuldigung in dem Artikel allerdings nicht. (Der Islam wird hingegen im Heft sehr positiv dargestellt.)
In einem Begleitbrief, der dem Magazin bei seinem Versand an rund 500 Schulen beilag, schrieb der SPD-Politiker Thomas Krüger (in seiner Eigenschaft als Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung): „In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben.“
Das sich evangelikale Christen gegen diese massiven Anschuldigungen, die noch nicht einmal belegt oder begründet, sondern einfach so in den Raum gestellt wurden, wehren, sollte eigentlich niemanden verwundern. Doch Mareike Fuchs vom Zapp-Magazin nimmt dies zum Anlass, um nun ihrerseits gegen Evangelikale in ihrem Beitrag vorzugehen.
So lautet ein Vorwurf in Ihrem Beitrag:
„Hannes erlebt eine Hetzjagd im Internet, die er nicht für möglich gehalten hätte. Scheinbar harmlose Gläubige sind aggressiv. Zitat Blogeintrag: „Am liebsten würde ich die Redaktion aufsuchen, ich koche vor Wut.“ Zitat Blogeintrag: „und hier kann man der Nachwuchs-Journallaie mal höflich den Marsch blasen“. Die Evangelische Allianz mäßigt ihre aggressiven Anhänger nicht.“
Nur seltsam, dass an dieser Stelle ausgerechnet der Blog „Politically Incorrect“ (PI) gezeigt und zitiert wird (hier die in Zapp gezeigte Seite). PI ist ein entschieden islam-kritischer, aber pro-israelischer Blog, der mit der evangelikalen Szene nichts zu tun hat. Das dies bei Zapp nicht bekannt sein sollte, dazu fehlt mir schlicht und einfach der Glaube. Denn PI ist nicht nur der größte deutschsprachige Blog, sondern wegen seine anti-islamischen und rechtskonservativen Einstellung auch sehr umstritten. Um PI mit der Evangelischen Allianz in Verbindung bringen zu können, müssen die Redakteure bei Zapp wohl im Tiefschlaf gewesen sein. Entschuldbar ist das nicht. Der Vorwurf von Gewalt- und sogar Morddrohungen aus der evangelikalen Welt ist somit nicht nur schlicht und ergreifend falsch, er wurde auch nicht belegt. Und auf welche Weise sollte die Evangelische Allianz denn Leute mäßigen, mit denen sie nichts zu tun hat? - Mit verantwortlichem Journalismus haben solch wilde, nicht belegte Beschuldigungen nichts mehr zu tun.
Auch Thomas Krüger wunderte sich anscheindend über die massiven Beschwerden, die sein beigelegtes Schreiben hervorgerufen haben. Dass er, wie er entschuldigend sagte, das Magazin vor der Abfassung seines Begleitschreibens gar nicht gelesen hat, wundert den unbedarften Bürger - bei einem für politische Bildung zuständigen Politiker - dann eventuell doch etwas. Aber davon erfährt man bei Zapp nichts. Auch nicht davon, dass die Vorsitzenden des Kuratoriums der Bundeszentrale für politische Bildung Krüger massiv für seine Äußerungen kritisiert haben. Warum auch? Das würde doch nur den schönen Schein und das Mitleid für die unschuldigen Opfer der evangelikalen Christen (die die Frechheit besaßen, gegen Verunglimpfungen von Seiten der Medien und gewisser Politiker zu protestieren) stören.
Selbstverständlich begebe ich mich mit diesem Blogeintrag auch gleich selbst aufs Glatteis, scheint doch die unterschwellige, aber doch deutliche Botschaft von Zapp zu sein: 'Kritisiere ja keine Reporter oder Politiker, auch wenn sie falsch liegen. Oder du bist in unseren Augen ein Extremist, der andere einschüchtern will.' Wie sonst sollte die Aussage des bekannten Kritikers evangelikaler Christen, Uwe Birnstein, im Zapp-Beitrag zu verstehen sein, wenn er sagt: „... da kommen zig e-mails und Briefe an Vorgesetzte, Indentanten und Chefredakteure, und als Journalist muss man sich dann rechtfertigen. Das empfinde ich schon als eine Einschüchterungstaktik.“ Kritik wird hier abgewehrt, indem man den Kritikern einfach mal eine Einschüchterungstaktik vorwirft. Das ist schon starker Tobak, wenn man es sich mal nüchtern betrachtet.
Kritisiert wird fernerhin, dass Baake (vom christlichen Pro-Medienmagazin) seine Leser auffordert, Leserbriefe an die Rundfunkanstalten zu senden, wenn ihnen etwas gefällt und auch, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Offensichtlich ist es – nach Meinung des NDR als öffentlicher Medienanstalt – den Medien und ihnen selbst nicht zuzumuten, dass ihre Konsumenten ihnen mitteilen, was sie von einzelnen Beiträgen halten und sie auf sachliche Fehler hinweisen. Eine seltene Einsicht in den Elfenbeinturm hoher journalistischer Kunst.
Der Zapp-Beitrag bestätigt einmal mehr das ungute Gefühl, dass unsere Medien sich längst der einfachen Bevölkerung enthoben fühlen und jede, auch gerechtfertigte, Kritik an ihren Aussagen als persönliche Zumutung empfinden. Und er zeigt, wie leicht sie es sich machen, Andersdenkende, deren Meinung sie ablehnen, einfach mal in die unterste Schublade (Extremist/Fundamentalist) zu stecken. Dies ist auch viel bequemer, als sich ehrlich mit deren Ansichten – die einem nicht passen – auseinanderzusetzen.
Siehe auch: NDR verbreitet üble Klischees über evangelikale Christen (Medrum)
Hintergrund ist die Veröffentlichung eines kritischen Artikels über Evangelikale in dem Schülermagazins “Q-rage” mit dem Heft-Titel “Selam Deutschland” (4. Ausgabe im Schuljahr 2008/2009), das von “Schule ohne Rassismus” herausgegeben und von der Bundeszentrale für politische Bildung mitfinanziert wird. In diesem Beitrag wurden die evangelikalen Christen wegen ihrer Haltung zur Homosexualität und zur Abtreibung massiv angegriffen. Fast am Ende des Artikels findet sich dann, wie ein Resümee, der Satz: „Die ... zum Teil verfassungsfeindlichen Ideologien werden da fast nebenbei vermittelt.“ Begründet wird diese ungeheuerliche Anschuldigung in dem Artikel allerdings nicht. (Der Islam wird hingegen im Heft sehr positiv dargestellt.)
In einem Begleitbrief, der dem Magazin bei seinem Versand an rund 500 Schulen beilag, schrieb der SPD-Politiker Thomas Krüger (in seiner Eigenschaft als Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung): „In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben.“
Das sich evangelikale Christen gegen diese massiven Anschuldigungen, die noch nicht einmal belegt oder begründet, sondern einfach so in den Raum gestellt wurden, wehren, sollte eigentlich niemanden verwundern. Doch Mareike Fuchs vom Zapp-Magazin nimmt dies zum Anlass, um nun ihrerseits gegen Evangelikale in ihrem Beitrag vorzugehen.
So lautet ein Vorwurf in Ihrem Beitrag:
„Hannes erlebt eine Hetzjagd im Internet, die er nicht für möglich gehalten hätte. Scheinbar harmlose Gläubige sind aggressiv. Zitat Blogeintrag: „Am liebsten würde ich die Redaktion aufsuchen, ich koche vor Wut.“ Zitat Blogeintrag: „und hier kann man der Nachwuchs-Journallaie mal höflich den Marsch blasen“. Die Evangelische Allianz mäßigt ihre aggressiven Anhänger nicht.“
Nur seltsam, dass an dieser Stelle ausgerechnet der Blog „Politically Incorrect“ (PI) gezeigt und zitiert wird (hier die in Zapp gezeigte Seite). PI ist ein entschieden islam-kritischer, aber pro-israelischer Blog, der mit der evangelikalen Szene nichts zu tun hat. Das dies bei Zapp nicht bekannt sein sollte, dazu fehlt mir schlicht und einfach der Glaube. Denn PI ist nicht nur der größte deutschsprachige Blog, sondern wegen seine anti-islamischen und rechtskonservativen Einstellung auch sehr umstritten. Um PI mit der Evangelischen Allianz in Verbindung bringen zu können, müssen die Redakteure bei Zapp wohl im Tiefschlaf gewesen sein. Entschuldbar ist das nicht. Der Vorwurf von Gewalt- und sogar Morddrohungen aus der evangelikalen Welt ist somit nicht nur schlicht und ergreifend falsch, er wurde auch nicht belegt. Und auf welche Weise sollte die Evangelische Allianz denn Leute mäßigen, mit denen sie nichts zu tun hat? - Mit verantwortlichem Journalismus haben solch wilde, nicht belegte Beschuldigungen nichts mehr zu tun.
Auch Thomas Krüger wunderte sich anscheindend über die massiven Beschwerden, die sein beigelegtes Schreiben hervorgerufen haben. Dass er, wie er entschuldigend sagte, das Magazin vor der Abfassung seines Begleitschreibens gar nicht gelesen hat, wundert den unbedarften Bürger - bei einem für politische Bildung zuständigen Politiker - dann eventuell doch etwas. Aber davon erfährt man bei Zapp nichts. Auch nicht davon, dass die Vorsitzenden des Kuratoriums der Bundeszentrale für politische Bildung Krüger massiv für seine Äußerungen kritisiert haben. Warum auch? Das würde doch nur den schönen Schein und das Mitleid für die unschuldigen Opfer der evangelikalen Christen (die die Frechheit besaßen, gegen Verunglimpfungen von Seiten der Medien und gewisser Politiker zu protestieren) stören.
Selbstverständlich begebe ich mich mit diesem Blogeintrag auch gleich selbst aufs Glatteis, scheint doch die unterschwellige, aber doch deutliche Botschaft von Zapp zu sein: 'Kritisiere ja keine Reporter oder Politiker, auch wenn sie falsch liegen. Oder du bist in unseren Augen ein Extremist, der andere einschüchtern will.' Wie sonst sollte die Aussage des bekannten Kritikers evangelikaler Christen, Uwe Birnstein, im Zapp-Beitrag zu verstehen sein, wenn er sagt: „... da kommen zig e-mails und Briefe an Vorgesetzte, Indentanten und Chefredakteure, und als Journalist muss man sich dann rechtfertigen. Das empfinde ich schon als eine Einschüchterungstaktik.“ Kritik wird hier abgewehrt, indem man den Kritikern einfach mal eine Einschüchterungstaktik vorwirft. Das ist schon starker Tobak, wenn man es sich mal nüchtern betrachtet.
Kritisiert wird fernerhin, dass Baake (vom christlichen Pro-Medienmagazin) seine Leser auffordert, Leserbriefe an die Rundfunkanstalten zu senden, wenn ihnen etwas gefällt und auch, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Offensichtlich ist es – nach Meinung des NDR als öffentlicher Medienanstalt – den Medien und ihnen selbst nicht zuzumuten, dass ihre Konsumenten ihnen mitteilen, was sie von einzelnen Beiträgen halten und sie auf sachliche Fehler hinweisen. Eine seltene Einsicht in den Elfenbeinturm hoher journalistischer Kunst.
Der Zapp-Beitrag bestätigt einmal mehr das ungute Gefühl, dass unsere Medien sich längst der einfachen Bevölkerung enthoben fühlen und jede, auch gerechtfertigte, Kritik an ihren Aussagen als persönliche Zumutung empfinden. Und er zeigt, wie leicht sie es sich machen, Andersdenkende, deren Meinung sie ablehnen, einfach mal in die unterste Schublade (Extremist/Fundamentalist) zu stecken. Dies ist auch viel bequemer, als sich ehrlich mit deren Ansichten – die einem nicht passen – auseinanderzusetzen.
Siehe auch: NDR verbreitet üble Klischees über evangelikale Christen (Medrum)
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