Das Statistische Bundesamt hatte neulich die Ausgaben für die Gesundheit in Deutschland im Jahr 2007 bekannt gegeben und sogleich stand es wieder in allen Zeitungen fett in der Überschrift: „Kosten für die Gesundheit gestiegen“[1].
Auf den ersten Blick stimmt der unbedarfte Leser zu, denn tatsächlich stiegen die Kosten von 2006 auf 2007 um 3,2 Prozent auf 252,8 Milliarden €. Erst weiter unten liest man dann, dass der Anteil der Kosten, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, jedoch von 10,5 auf 10,4 Prozent gesunken sind. D.h. bezogen auf die Finanzkraft unserer Volkswirtschaft gingen die Kosten sogar leicht zurück.
Dies ist eigentlich nichts neues. Schon seit mehreren Jahrzehnten schwanken die Gesundheitskosten um rund 10 Prozent unseres BIPs, wie Bernd Hontschik in seinem lesenswerten Beitrag Diagnose: Propaganda zeigt. Auch die Überalterung führe nicht zu einer Kostenexplosion.
Wieso muss dann der einfache Bürger ständig mehr für seine Gesundheit ausgeben?
Dafür sind zwei Gründe ausschlaggebend. Erstens haben die Arbeitnehmer seit langen nicht mehr vom Wachstum der Wirtschaft profitiert. Die Löhne sind in den letzten zehn Jahren und teilweise schon länger real von Jahr zu Jahr gesunken[2]. Steigen aber die Löhne weniger als das Wirtschaftswachstum (und die um die selbe Rate wachsenden Gesundheitskosten), so muss der Arbeitnehmer automatisch einen höheren Prozentsatz seines Lohnes in seine Gesundheitsvorsorge investieren.
Dazu kommt noch die ganze Propaganda um die angeblich zu hohen Lohnnebenkosten, die doch in Wahrheit im Vergleich zu anderen europäischen Volkswirtschaften keineswegs überhöht sind, sondern eher gemäßigt sind[3]. Doch bestimmte Interessenverbände der Wirtschaft haben es geschafft, dies der Öffentlichkeit einzureden. Als Folge wurde der Arbeitgeberanteil immer mehr zurückgefahren (Stichwort Praxisgebühr, Zahnversicherung, etc.) und jetzt gleich auf sieben Prozent festgelegt.
Halten wir also fest: Für unsere Volkswirtschaft wäre es kein Problem, die Kosten für unser Gesundheitswesen zu tragen, denn sie steigen schon seit Jahrzehnten nicht stärker als unser BIP. Unser Gesundheitssystem krankt letztlich nur daran, dass gerade die Gruppen unserer Gesellschaft, die vom Wirtschaftswachstum besonders profitieren, sich immer mehr aus dessen Finanzierung hinausschleichen und eine immer kleinere Gruppe von Arbeitnehmern, die real trotz Wirtschaftswachstum Lohnkürzungen hinnehmen müssen, immer stärker zur Finanzierung herangezogen wird. Es ist an der Zeit, diesen Trend umzukehren.
[1] So z.B. die PAZ vom 11. April 2009
[2] BIP: Wachstum in den ...
70er Jahren: +118,6%; 80er: +65,7%; 90er: +33,7%
Lohn- & Gehaltssumme brutto / netto-real (Arbeitnehmer): Wachstum in den ...
70er Jahren: +130,4/+20,5%; 80er: +50,8/6,7%; 90er: +27,7/-2,2%
(Entnommen aus: Müller, Albrecht. Die Reformlüge. München, 2004, S. 405)
[3] Für das Jahr 2003 beispielsweise betrug die Gesamtabgabenquote (= Steuer- + Sozialabgabenquote) laut Statistischem Bundesamt:
Für Deutschland 40,6%, für Frankreich 44,4%, für Italien 42,0 %, für Großbritannien 36,9% und in der EU gesamt betrug sie 40,9%. (ebd, S. 414)
Auf den ersten Blick stimmt der unbedarfte Leser zu, denn tatsächlich stiegen die Kosten von 2006 auf 2007 um 3,2 Prozent auf 252,8 Milliarden €. Erst weiter unten liest man dann, dass der Anteil der Kosten, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, jedoch von 10,5 auf 10,4 Prozent gesunken sind. D.h. bezogen auf die Finanzkraft unserer Volkswirtschaft gingen die Kosten sogar leicht zurück.
Dies ist eigentlich nichts neues. Schon seit mehreren Jahrzehnten schwanken die Gesundheitskosten um rund 10 Prozent unseres BIPs, wie Bernd Hontschik in seinem lesenswerten Beitrag Diagnose: Propaganda zeigt. Auch die Überalterung führe nicht zu einer Kostenexplosion.
Wieso muss dann der einfache Bürger ständig mehr für seine Gesundheit ausgeben?
Dafür sind zwei Gründe ausschlaggebend. Erstens haben die Arbeitnehmer seit langen nicht mehr vom Wachstum der Wirtschaft profitiert. Die Löhne sind in den letzten zehn Jahren und teilweise schon länger real von Jahr zu Jahr gesunken[2]. Steigen aber die Löhne weniger als das Wirtschaftswachstum (und die um die selbe Rate wachsenden Gesundheitskosten), so muss der Arbeitnehmer automatisch einen höheren Prozentsatz seines Lohnes in seine Gesundheitsvorsorge investieren.
Dazu kommt noch die ganze Propaganda um die angeblich zu hohen Lohnnebenkosten, die doch in Wahrheit im Vergleich zu anderen europäischen Volkswirtschaften keineswegs überhöht sind, sondern eher gemäßigt sind[3]. Doch bestimmte Interessenverbände der Wirtschaft haben es geschafft, dies der Öffentlichkeit einzureden. Als Folge wurde der Arbeitgeberanteil immer mehr zurückgefahren (Stichwort Praxisgebühr, Zahnversicherung, etc.) und jetzt gleich auf sieben Prozent festgelegt.
Halten wir also fest: Für unsere Volkswirtschaft wäre es kein Problem, die Kosten für unser Gesundheitswesen zu tragen, denn sie steigen schon seit Jahrzehnten nicht stärker als unser BIP. Unser Gesundheitssystem krankt letztlich nur daran, dass gerade die Gruppen unserer Gesellschaft, die vom Wirtschaftswachstum besonders profitieren, sich immer mehr aus dessen Finanzierung hinausschleichen und eine immer kleinere Gruppe von Arbeitnehmern, die real trotz Wirtschaftswachstum Lohnkürzungen hinnehmen müssen, immer stärker zur Finanzierung herangezogen wird. Es ist an der Zeit, diesen Trend umzukehren.
[1] So z.B. die PAZ vom 11. April 2009
[2] BIP: Wachstum in den ...
70er Jahren: +118,6%; 80er: +65,7%; 90er: +33,7%
Lohn- & Gehaltssumme brutto / netto-real (Arbeitnehmer): Wachstum in den ...
70er Jahren: +130,4/+20,5%; 80er: +50,8/6,7%; 90er: +27,7/-2,2%
(Entnommen aus: Müller, Albrecht. Die Reformlüge. München, 2004, S. 405)
[3] Für das Jahr 2003 beispielsweise betrug die Gesamtabgabenquote (= Steuer- + Sozialabgabenquote) laut Statistischem Bundesamt:
Für Deutschland 40,6%, für Frankreich 44,4%, für Italien 42,0 %, für Großbritannien 36,9% und in der EU gesamt betrug sie 40,9%. (ebd, S. 414)
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